Kreativität ist für viele Menschen ein Buch mit sieben Siegeln. Sie sehen es als etwas Spontanes oder als Ausdruck der persönlichen Identifikation an. Doch was wäre, wenn ich dir sage, dass kreativ sein weit mehr ist als ein individuelles Spiel mit Ideen? Was ist, wenn deine Kreativität in Wirklichkeit ein Funke ist, der dich mit der Schöpfungskraft verbindet? Ein Prozess, der nicht nur deine eigene Vorstellungskraft einbezieht, sondern dich auch mit dem Schöpfer selbst in Verbindung bringt? Ja, Kreativität ist auch immer eine Verbindung mit Gott.
Es klingt für viele Menschen im ersten Moment radikal sich vorzustellen, dass eine höhere Macht sie in ihrer Kreativität unterstützt. Diese Menschen glauben, kreativ sein wäre ein rein egoistisches Verhalten. Ein Haltung, die mit Spiritualität oder göttlichem Support nicht viel zu tun hat. Diese Vorstellung wird oft als Angstträger interpretiert, das Ausleben könne Gott nicht gefallen. Man wäre zu sehr man selbst und würde zu wenig dem Weg des Glaubens folgen. Was hier passiert, ist also ein reines Angst machen und Verbieten der eignen Kreativität. Du bleibst stecken in, du hättest nicht genug getan, erst an andere denken sollen und „ich muss erst XY tun bevor ich etwas für mich tun darf“. Das ist nichts als langfristige Selbstzerstörung und Aufopferung ohne deine eigene Kraft zwischendurch aufzutanken.
In unserem Inneren schlummert eine Künstlerin, die oft als widerspenstiges, kleines Wesen betrachtet wird. Diese Künstlerin widersetzt sich jeder Vernunft, jeder Norm und gibt sich ganz dem Vergnügen, der Freude und dem Spaß hin. Es wird angenommen, dass der kreative Prozess egobezogen und weltlich ist, nicht spirituell geprägt oder gar in Verbindung mit dem Glauben. Aber was ist, wenn genau das Gegenteil der Fall ist? Was wäre, wenn du während deiner Kreativität eine tiefe Verbindung zu Gott hast und dieser durch dich hindurchfließend ein im Außen sichtbaren Ausdruck mit dir zusammen erschafft?
Wenn wir einen Sprung in die Schöpfungsgeschichte machen, hat Gott die Welt nicht nach einer Formel, sondern aus einer tiefen Vision heraus erschaffen. Diese Welt ist also seine Kunst, seine Schöpfung. Und wir Menschen sind Bestandteil dieser Kunst. In unserem kreativen Prozess sind wir also nicht egoistisch auf uns selbst bezogen, sondern in einer Zusammenarbeit mit der Schöpferkraft. Wir sind nicht Einzelgänger und erschaffen aus der selbstfließenden Kraft, sondern wir sind Partner in Crime mit Gott. Wir erschaffen gemeinsam!
Aus diesem Blickwinkel wird Kreativität zu einer spirituellen Praxis. Jeder kreative Prozess, ist eine Möglichkeit mit Gott zu kommunizieren und den Ausdruck durch uns hindurch fließen zu lassen. Deine innere Künstlerin ist nicht nur dein Ego, das sich selbst verwirklichen will. Sie ist ein Kanal für die Inspiration, ein Werkzeug, das die Schöpfungskraft durch dich hindurchfließen lässt. Kreativität ist also kein rein egobezogener Prozess, sondern eine Zusammenarbeit mit Gott selbst.
Doch diese Co-Creation erfordert Aufmerksamkeit, Hingabe, Tüchtigkeit und Sorgfalt. Kreativität wächst nicht aus dem Nichts, sie braucht Zeit und Pflege wie eine Beziehung zu anderen Menschen. Sie ist nicht wie ein Punkt auf deiner To-Do-Liste, den du einfach wegstreichst, wenn er erledigt ist. Sie verlangt Hingabe, Tiefe und Sensibilität für den Moment. Das bedeutet, dass du dir Zeit nehmen musst, dich auf den kreativen Prozess einzulassen und ihn zu nähren.
Du beginnst einen Dialog. Der Dialog mit dir selbst, mit Gott, mit der Welt, mit dem kreativen Funken. Das ist nicht immer einfach und manchmal hast du das Gefühl deine Kreativität ist blockiert und der Fluss der Inspiration würde vergehen. Doch selbst dann ist deine Verbindung zu Gott am Werk, habe Vertrauen und Geduld.
Diese Verbindung mit deiner Kreativität ist nicht immer so, wie du sie erwartest. Deine innere Künstlerin ist oft das kindliche Wesen, das Freude und Freiheit will. Gib ihr die Möglichkeit, sie wird dich überraschen und dem folgen, was sie anspricht. Oft geschieht es, dass der kreative Prozess mehr mit Spielen als mit harter Arbeit zu tun hat. Das ist nicht nur in Ordnung, das ist wichtig. Deine innere Künstlerin braucht diesen Spaß, sie will nicht nur produzieren, sondern forschen, erleben, entdecken und spielen. Dein kreativer Prozess lebt also nicht von “müssen”, sondern von “wollen”. Berücksichtige das immer im Prozess der Kreativität.

Wenn deine innere Künstlerin also mal wieder sehen, hören, riechen oder schmecken will, lass sie. All diese Wahrnehmungen sprechen deinen kreativen Teil an und geben deinem kreativen Prozess Farben. Du kannst barfuß durch den Wald laufen und das Gefühl von der Erde an deinen Füßen fühlen (allen, die barfuß laufen nicht gewohnt sind, fang besser auf einer Wiese oder grundsätzlich weicherem Untergrund an, Waldboden kann sehr unangenehm zu Beginn sein, wenn du es nicht gewohnt bist), zünde dir eine Kerze an und atme den Duft, der den Raum erfüllt ein, höre Musik und lass dich von dem Rhythmus zum Tanzen leiten. All diese Alltagshandlungen helfen dir das Vergnügen in Kreativität zu entdecken und deinen kreativen Fluss zu aktivieren. Wiederhole diese Alltagshandlungen regelmäßig und dein kreativer Teil wird genährt und angesprochen werden. Deine Aufmerksamkeit für Kreativität kannst du durch wiederkehrende Bewegungen wie Duschen, schwimmen, Gemüse schrubben, öffnen. Ich empfehle an dieser Stelle jetzt bewusst keine Tätigkeiten wie Auto fahren. Ja, vor kurzem hätte ich sie hier noch mit aufgelistet, in diesem Prozess der Stimulierung des kreativen Könnens sind wir aber meist früher oder später nicht mehr mit der vollen Aufmerksamkeit bei der Tätigkeit, die wir eigentlich gerade tun. Das ist bei Dingen wie duschen, schwimmen oder Gemüse schrubben eher ein geringeres Risiko. Aber ich empfehle keinem mehr sich beim Auto fahren mehr damit zu beschäftigen, weil du dabei ähnlich abgelenkt sein kannst, wie mit einem Blick aufs Handy. Das kommt nicht in Frage, weil du beim Auto fahren immer noch Verantwortung für dich und andere Verkehrsteilnehmer hast.
Wie sehr bist du also bereit, deiner Kreativität zu vertrauen? Wie sehr bist du bereit, dich der schöpferischen Zusammenarbeit des kreativen Prozesses hinzugeben? Bist du bereit, deine Kreativität zu pflegen, ihr zu folgen und ihr den Raum zu geben sich zu entfalten? Genau wie eine Partnerschaft oder als Elternteil darfst du Zeit und Zuwendung investieren. Es wird nicht immer einfach sein, aber es wird sich lohnen. Dein kreativer Prozess ist ein Geschenk, das nicht nur dir, sondern der Menschheit zugutekommt. Dieses Geschenk darfst du teilen und ehren.

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